Achtsamkeit

„Zur Seite sitzend, wandte sich der Sakyerfürst Mahanamo an den Erhabenen: ‚Ich habe ... noch nichts darüber gehört, wie ein weiser Anhänger einen weisen Anhänger, der Beschwerden hat, leidet, schwer krank ist, ermahnen soll.' ...

‚Dann hätte man ihm zu sagen: ‚Viel besser und erlesener als die menschlichen Sinnendinge, Bruder, sind die himmlischen Sinnendinge. ... Viel besser und erlesener als diese Götter ist die Brahmawelt. Möge der Verehrte das Herz ... auf die Brahmawelt erheben. ... Auch die Brahmawelt, Bruder, ist unbeständig, nicht dauernd, ist in Persönlichkeit gefangen. Gut wäre es für den Verehrten, das Herz über die Brahmawelt zu erheben und es auf die Auflösung der Persönlichkeit zu lenken.'"

Gruppierte Sammlung 55 / 54, übersetzt von Hellmuth Hecker


Kommentar von Dr. Paul Köppler

In dieser Rede will der Buddha nach dem dreimonatigen Aufenthalt während der Regenzeit wieder auf Wanderschaft gehen. Offensichtlich gab er in dieser Zeit viele Belehrungen, die die Bevölkerung ermutigten und im Alltag unterstützten. Dem König war jedoch aufgefallen, dass der Buddha noch nichts über den Umgang mit Kranken und Leidenden gesagt hatte. In der nun folgenden Antwort sagt der Buddha zunächst, man solle einen Kranken daran erinnern, dass er guten Schutz habe, indem er Buddha und seine Lehre kenne, eine Gemeinschaft habe und wisse, was rechtes Verhalten sei. Dann solle man ihm Stück für Stück helfen, alles, woran er hängt, innerlich loszulassen. Wie immer in der Lehre des Buddha geht es darum zu erkennen, dass unser Leiden vom Wünschen und Anhaften kommt. Zunächst ist es notwendig, materielle Dinge und persönliche Bindungen loszulassen. Dann weist der Buddha den Weg, statt der sinnlichen Genüsse die himmlischen Freuden anzustreben. Doch auch diese sind letzten Endes vergänglich und daher nicht vollkommen befriedigend. Wie nicht anders zu erwarten steht am Ende das Aufgeben des Anhaftens an der eigenen Persönlichkeit. Das ist das Ziel der buddhistischen und das Leid beendenden Einsicht.
Am Ende der Rede sagt der Buddha, dass einer, der sein Herz, das heißt seine Absicht, sein ganzes Sein darauf richtet, das Anhaften an der Persönlichkeit zu überwinden, einem vollkommen Erwachten gleichkommt. Man könnte diese erstaunliche Botschaft auch so verstehen, dass jemand, der nur an die Auflösung der Persönlichkeit denkt, in der gleichen Verfassung ist wie ein Erwachter. Nur das kann als endgültige Heilung bezeichnet werden.

 

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