Achtsamkeit

„Einst sagte ein Mönch: ‚Wie benommen, o Herr, ist mir mein Körper, ich habe die Richtung verloren, die Dinge werden mir nicht klar, Starrheit und Mattigkeit halten meinen Geist gefangen, und ohne Begeisterung führe ich das Mönchsleben; auch Zweifel habe ich hinsichtlich der Lehre.'

(Der Erhabene sprach:) ‚So eben steht es, o Mönch, mit einem, der die Sinnentore nicht bewacht, beim Mahle nicht Maß hält, nicht der Wachsamkeit ergeben ist, den Dingen, die heilsam sind, keine Beachtung schenkt und nicht zu Beginn und Ende der Nacht die Entfaltung der zur Erleuchtung führenden Dinge übt.'"

Angereihte Sammlung 22 / 90, übersetzt von Nyanatiloka –Kommentar von Dr. Paul Köppler

In dieser kurzen Geschichte klagt ein Übender über Symptome, die man mit heutigen Worten als psychische Phänomene bezeichnen könnte, welche durch Stress ausgelöst werden. Offensichtlich litt dieser Mönch unter einem Burnout-Syndrom, er hatte keine Lust mehr auf die Übung und fand die ganze Lehre unbefriedigend.

Interessant ist nun, welche Mittel der Buddha empfiehlt, um solch eine Krise zu überwinden, oder besser gesagt, dass er feststellt, wenn ein Übender diese Mittel nicht anwendet, dann ist ein negatives Ergebnis die natürliche Folge und gar nicht anders zu erwarten. Die erste Maßnahme ist, die Achtsamkeit auf die Tätigkeit der Sinne zu kultivieren. Das ist die Grundübung und von den Gegebenheiten her leicht anzuwenden, weil sie nicht auf eine bestimmte Übungszeit beschränkt ist, sondern wirklich im Alltag in jeder Situation entfaltet werden kann. Dabei geht es darum, bewusst zu erfahren, dass ich sehe, höre, rieche, schmecke, fühle und denke. Die zweite Übung ist ganz konkret und bedeutet, auf die Ernährung zu achten. Das heißt, nicht nur bescheiden und eher wenig zu essen, sondern auch die Aufmerksamkeit darauf zu richten, womit man sich ernährt. Dann wird nochmals betont, dass die Achtsamkeit tatsächlich zu einem Mittelpunkt des Lebens gemacht wird und so die notwendige Ausrichtung gibt. Das nächste Mittel besteht in einer Übung, die Reflexion voraussetzt. Man sollte sich immer wieder überlegen, was für einen selbst und für andere wirklich heilsam und förderlich ist, und sich dann diesen heilsamen Dingen zuwenden. Zuletzt empfiehlt der Buddha eine regelmäßige Übung, am besten am Ende des Tages und am frühen Morgen. Der Buddha sagt nicht, welche Methode man dabei anwenden soll, doch er sagt deutlich, worum es in dieser Übung gehen soll: Man solle das im eigenen Geist fördern und entfalten, sei es nun die Achtsamkeit, die Sammlung, die Liebe oder die Weisheit, die zum Erwachen führt.

Ich bin sicher, wenn es gelingt, auch nur ein Mittel davon anzuwenden, wird man die negativen Folgen von Stress leicht überwinden.

 

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