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Nach einem Monat kann man ganz gut überprüfen, ob die Neujahrsvorsätze etwas wert waren, Substanz hatten und sich bereits in Ansätzen umsetzen ließen. Doch was, wenn nicht?

Ich hadere ja stets mit meinen Wünschen. Die Erfahrung von fünf Jahrzehnten hat gezeigt, dass das mit mir und dem Universum nur mangelhaft funktioniert. „Sag’s dem Universum, es regelt alles für dich“ klappt nur selten so, wie ich mir das – eben – wünsche. Ich habe dazu verschiedene Theorien.

Theorie 1: Der berühmt-berüchtigte Salzburger Schnürlregen und die dazu notwendigen Wolken behindern die Kommunikation mit dem Universum. Ich dringe einfach nicht durch Altoculumus, Alto- oder Nimbostratus. Wenn das eine Tagesangelegenheit wäre, könnte ich ja verschieben, aber in Zeiten wie diesen, wo sich die Eindeutigkeit des Winters in eine triste, vorfrühlingshafte Mischkulanz verabschiedet hat, muss ich mit dieser geschlossenen Wolkendecke leben. Ob es hilft, mir schönes Wetter zu wünschen? Ich verlasse mich lieber auf meine Wetter-App, die mir sagt, wann die Sterne für eine Kommunikation mit dem Universum günstig stehen.

Was mich zu Theorie 2 bringt. Wer sagt denn, dass das Universum und ich die gleiche Sprache sprechen? Ich bezweifle das, denn ich habe ja bereits bei meinen irdischen Gegenübern so meine Probleme. In meiner Welt möchte ich Ruhe, wenn ich „Lass es sein“ sage. Doch ich bekomme den gut gemeinten Rat, „Lass mich in Ruhe“ zu sagen – das andere wäre zu wischiwaschi. Wieder was gelernt. Doch wer lehrt mich universalisch? Vor einigen Jahren wünschte ich mir für die vor mir liegenden Monate, dass mir eine Gelegenheit geschenkt würde, durch Reisen Geld verdienen zu können. Sie wissen schon – New York, Rio, Tokio. Ich fand mich in diesem Jahr in Pill, Allhaming und Schnifis wieder. Das Universum hatte da wohl etwas falsch verstanden. Oder eben ich einen wesentlichen Teil weggelassen. Nicht dass ich keine schönen Erfahrungen gemacht oder nette Menschen getroffen, mein Konto gefüllt oder viel über Schnaps (den ich nicht trinke) gelernt hätte – vielleicht hätte ich sagen sollen: „Ich möchte durch Reisen INS AUSLAND Geld verdienen.“ Bin ich auch gegenüber dem Universum zu wischiwaschi?

Theorie 3: Ich verfehle stets den richtigen Zeitpunkt. Vielleicht hat das Universum ja Sprechstunden, von denen ich nichts weiß. Vielleicht immer dann, wenn der Mond in der Venus steht oder Steinbock und Wassermann, Stier und Zwilling, Löwe und Jungfrau, Waage und Skorpion eine Quadrille tanzen. Vielleicht leben wir aber auch in unterschiedlichen Zeitzonen und das Universum ist vor allem dann aufnahmebereit, wenn ich gerade schlafe. Scheitern wir beide tatsächlich am Jetlag?

Vielleicht ist das Universum aber auch deshalb von partieller Taubheit gegenüber meinen Wünschen befallen, weil es die falschen sind. Weil ich etwas in meinem Leben möchte, was dort völlig fehl am Platz ist. Oder dort NOCH nicht hingehört. Es gibt dieses wunderschöne Lied von Garth Brooks, in dem er von ‚unanswered prayers‘ singt und dem Glück, etwas NICHT zu bekommen, was man sich mehr als alles andere wünscht. Weil es sich im Rückblick betrachtet nämlich als Segen herausstellt. Und wenn ich mit meinen fünf Minuten Universumhaderei fertig bin, neige ich sehr dazu, ihm beizupflichten. Schließlich war alles, was sich abseits meiner Wünsche ereignet hat, eine Bereicherung für mein Leben. Auch Pill, Allhaming und Schnifis.

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