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Manchmal gibt es Bücher, die können ein Leben verändern. Bei mir war es wahrscheinlich nicht nur das Buch, sondern auch der Zeitpunkt, zu dem ich es in die Hand bekam. Das spirituelle Lieblingsbuch von Gottfried Vollmer.

Ich war 18, stand kurz vorm Mathe-Abitur und hatte mich, wie viele Jugendliche in dem Alter, um alles andere gekümmert, nur nicht um die Schule. Stand also bei einer glatten Fünf. Auch fand ich es zu dieser Zeit, es waren die frühen 70er, spannend, mal mit der einen oder anderen Droge herumzuexperimentieren, kurz gesagt, ich war ziemlich durch den Wind!
Eines Abends legte mir meine Mutter, ich hatte gerade einen mittleren Wutanfall wegen einer nicht lösbaren Matheaufgabe hingelegt, ein Taschenbuch auf den Schreibtisch: ‚DIE WISSENSCHAFT VOM SEIN UND DIE KUNST DES LEBENS‘ von Maharishi Mahesh Yogi.
Ich schaute kurz aufs Cover und war nur mäßig begeistert. Vermutlich irgendetwas Religiöses, und da ich, wie viele Gymnasiasten zu dieser Zeit, stramm links orientiert war, nichts für mich, denn wie hatte uns Papa Marx gelehrt: „Religion ist Opium fürs Volk!“
Nun war meine Mutter aber weder religiös, noch gehörte sie zu denen, die ihren heranwachsenden Teenagern mit klugen Ratschlägen auf den Zeiger gehen, und so fing ich doch an, darin zu blättern.
Es begann, beruhigend für mich, mit Wissenschaft. Der indische Meister Maharishi Mahesh Yogi hatte, wie ich später erfuhr, in jungen Jahren ein Physikstudium absolviert, bevor er in den Himalaya ging.
Da war nun vom Energieerhaltungssatz die Rede, dass sich Energie und Materie ständig in unterschiedliche Formen verwandeln, die Summe aber konstant bleibt, so wie der Ozean in sich konstant bleibt, wenn die Wellen steigen und fallen und von Ost nach West wandern. Auch war mir vom Physikunterricht her bekannt, dass Einstein nicht nur die allgemeine und spezielle Relativitätstheorie entwickelt, sondern auch von der ‚Weltformel‘ gesprochen hatte, die er noch zu Lebzeiten zu finden hoffte: dass es jenseits der subtilsten Form von Energie und Materie die EINE Ursache gibt, aus der alles entsteht.
Dass diese Ursache tatsächlich existiert und schon immer existiert hat, ist Inhalt dieses Buches. Nur ist sie mit den heutigen Mitteln der Physik nicht messbar, da die Physik noch nicht einmal die Energie eines Gedankens zu messen vermag, geschweige denn eine Energie, die noch jenseits der feinsten Gedankenaktivität liegt!
Was mich aber beim Lesen zunehmend faszinierte, war die Tatsache, dass eine 5.000 Jahre alte Wissenstradition behauptete, wir könnten dieses Energiefeld im eigenen Bewusstsein erfahren.
Und da war sie plötzlich, eine tiefe Sehnsucht, die mir erst später so richtig klarwerden sollte und auch in Wahrheit hinter meinen Drogenexperimenten stand: die Suche nach etwas Größerem, einer tieferen Wirklichkeit, jenseits der Begrenzungen meines Alltagsbewusstseins, nach einer alldurchdringenden Energie und Intelligenz an der Quelle aller Dinge!
Mit einfachen Worten und großer Klarheit beschrieb hier jemand die letzte Wirklichkeit, das SEIN, den unbewegten Beweger, nicht abstrakt philosophisch, sondern konkret erfahrbar in unserem Inneren als unsere eigenste Natur.
Mit zunehmender Lektüre wurde der Wunsch, diesen Weg nun auch zu beschreiten, immer größer und so meldete ich mich zu einem Kurs in Transzendentaler Meditation an.
Und dann die erste Sitzung: Es war, als ob mein Geist in einen Expressaufzug gestiegen wäre, in wenigen Sekunden erreichte ich das Tiefgeschoss! Einen Zustand völliger Stille und Weite, jenseits jeglicher Bewegung meines sonst so aktiven Geistes. Diese Fahrt ging so schnell und mühelos und begleitet von so unendlichen Glücksgefühlen, dass ich mitten in der Meditation einen Lachanfall bekam! Mir war das peinlich, hatte ich doch eben in einer weihevollen altvedischen Zeremonie ein Mantra bekommen, das mich auf dieser rasanten Fahrt begleitete!
Aber meine Lehrerin lächelte nur, wahrscheinlich war ich nicht der Erste, dem so etwas widerfuhr.
Seit diesem Tag meditiere ich zweimal täglich, ich transzendiere die feinste Ebene der Gedanken – daher der Name Transzendentale Meditation – und tauche ein in den stillen Ozean unbegrenzten Bewusstseins.
Auch nach 40 Jahren bin ich immer noch überrascht, wie vollkommen mühelos und stabil der Geist, nur angezogen von zunehmender Freude, diese Erfahrung macht!

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