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Christine Longakers Buch ‚Dem Tod begegnen und Hoffnung finden’ ist sozusagen ein Klassiker unter jenen Büchern, die sich mit Sterbebegleitung und Spiritualität, im konkreten Fall mit tibetisch-buddhistischer Spiritualität, befassen.

Die Autorin gilt als Pionierin der Hospizbewegung in Kalifornien. Ohne ihre persönliche Geschichte - sie durchzieht das Buch wie ein roter Faden - wäre Christine Longaker den Weg, den sie sehr authentisch beschreibt, wohl nicht gegangen.
Sie lässt die Leserschaft an ihrem Erleben der tödlichen Erkrankung ihres 1977 verstorbenen Ehemanns teilhaben. Bereits in jungen Jahren war bei ihm Leukämie diagnostiziert worden, und er starb nur ein Jahr später. Wir begleiten die Autorin in ihrem Buch durch die Zeit der Trauer und ihrer Aufarbeitung und erfahren anhand ihrer persönlichen Erlebnisse, wie ein solcher Schicksalsschlag zum Ausgangspunkt für eine intensive spirituelle Praxis werden kann. Christine Longaker wurde 1980 Schülerin von Sogyal Rinpoche, dem aus Tibet stammenden Gründer und spirituellen Leiter von Rigpa, einem internationalen buddhistischen Netzwerk mit 106 buddhistischen Zentren und Gruppen in 23 Ländern. In Rigpa-Zentren ist es üblich, sich insbesondere mit der Problematik von Krankheit und Tod auseinanderzusetzen. Sogyal Rinpoche ist auch Autor des Klassikers ‚Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben’. In Kalifornien gründete Christine Longaker ein eigenes Hospiz, in dem sie sieben Jahre lang tätig war. Seither leitet sie auch in Europa Ausbildungsseminare zur Sterbebegleitung.
Christine Longaker beschreibt ausführlich ‚Vier Aufgaben des Lebens und Sterbens’, die für die Qualität unseres Lebens und Sterbens von entscheidender Bedeutung sind:
- Leid verstehen und verwandeln
- Eine Verbindung herstellen, Beziehungen heilen und loslassen
- Sich spirituell auf den Tod vorbereiten
- Sinn im Leben finden

Ich empfehle dieses wertvolle Buch nicht nur all jenen Menschen, die in Hospizen oder ähnlichen Einrichtungen tätig sind, sondern auch allen, die den Schritt von der Angst vor dem Tod hin zu einem neugierigen Erwachen vor diesem großen Geheimnis gehen wollen. Für Erstere zeigt das Buch einen Weg auf, wie spirituelle Praxis bei der Begleitung Sterbender eingesetzt werden kann. Die Autorin wendet sich mit ‚Dem Tod begegnen und Hoffnung finden’ nicht nur an Buddhistinnen und Buddhisten, sondern an Menschen aller anderen Konfessionen und auch an solche, die sich keiner religiösen Richtung zugehörig fühlen. Dieses Buch ist für Leserinnen und Leser geschrieben, die bereit sind, sich der eigenen Vergänglichkeit zu stellen.
Zu meiner Überraschung hat sich in mir die Vision entwickelt, nach Beendigung meiner beruflichen Laufbahn als Richterin Hospizarbeit zu leisten. Ich bin allerdings in meinem Freundeskreis damit nicht immer auf Verständnis gestoßen. Einige meinten, ich sollte meine Pension genießen. Die dauernde Präsenz des Todes würde nur traurig machen. Mein Erfahren ist jedoch ein anderes: Ich gehe jedes Mal mit großer Freude in die Palliativstation und werde von den Sterbenden reichlich beschenkt - und sei es nur dadurch, dass sie mir gestatten, ihre Hand zu halten, ihnen kleine Hilfen angedeihen zu lassen oder indem sie mir Geschichten aus ihrem Leben erzählen.

Dr. Sylvia Falser ist Qigong-Lehrerin und arbeitet seit zwei Jahren ehrenamtlich in der Palliativstation St. Raphael im KH Göttlicher Heiland in Wien. In einem Wiener Pensionistenheim macht sie wöchentlich Besuchsdienst bei einer alten Dame. Bis zu ihrer Pensionierung Ende 2006 war Sylvia Falser als Senatspräsidentin am Oberlandesgericht Wien tätig.

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