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Gegen niedrigen Blutdruck in der Früh hilft mir nichts so schnell wie Michael Bublés ‚Today is Yesterday’s Tomorrow‘. Da kurbeln sich die Rollläden fast von selbst nach oben. Dabei mochte ich ihn lange Zeit überhaupt nicht. Er war mir einfach zu schön.

Irgendetwas hielt mich immer fern von den Feschaks. Na ja, nicht ganz. In meiner frühen Adoleszenz kannte ich einen jungen Gary Cooper, der allerdings inzwischen derart aus der Form geraten ist, dass es schon weit nach High Noon ist. Dann war da ein junger Paul Newman, der im vergangenen Jahr an Diabetes gestorben ist – ebenfalls um etliche Kilogramm schwerer als zu seiner heißen Blechdachzeit. Michael Bublé erinnert mich immer an den jungen Gary-Cooper-Verschnitt – die Geschichte ging nicht gut aus, weshalb Michael verschmäht wurde.

Jetzt habe ich inzwischen ja Leihsöhne, die zu wahren Adonissen (ist das der richtige Plural? Ich habe – siehe oben – ja keine große/gute Erfahrung mit einer Mehrzahl von ihnen) herangewachsen sind. G’scheit, groß gewachsen, durchtrainiert und zudem mit klassischen Gesichtszügen ausgestattet – da musste ich wohl meine Meinung zu schönen Männern revidieren. Und fand auch wieder zu Michael Bublé zurück. Hauptsächlich zu den Liedern, die er nicht ‚nachsang‘. Doch inzwischen finde ich seine Coverversionen wie ‚My Kind of Girl‘ ganz bezaubernd. However – mein aktuelles Gute-Laune-Lied ist ein anderes.

Jetzt strahlt der Titel ja keine sokratische Weisheit aus, was mich dazu gebracht hat, mir den Text anzuschauen. Und siehe da, es ist beinahe eine buddhistische Hymne. Denn es geht darum, das Hier und Jetzt zu schätzen. Auch und gerade in der Liebe. Nicht im Kopfkino zu sitzen, sich eine ähnliche Liebesgeschichte zu wünschen wie in ‚Wie ein einziger Tag‘ oder ‚Harry und Sally‘, sondern aus dem was zu machen, was uns das Leben schenkt. Und Chancen zu nutzen mit den Menschen, die uns über den Weg geschickt werden.

Mein Leben ist voll davon. Eine Freundin habe ich kennengelernt, weil sie sich – obwohl wir uns zu diesem Zeitpunkt nur flüchtig unterhalten hatten - in einer Notsituation als wahrer Schatz erwiesen hat. Eine andere machte mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, obwohl ich sie bis dahin gar nicht persönlich getroffen hatte. Und wieder eine andere Weggefährtin tanzte buchstäblich in mein Dasein. Mein Onkel erzählte mir kürzlich von den Zufällen in seinem Leben, das reich an sogenannten Synchronizitäten ist. Der Begriff stammt von C. G. Jung. Für ihn ist das ein inneres Ereignis – beispielsweise eine Idee, eine Emotion oder ein Traum -, das sich innerhalb kurzer Zeit als äußeres Ereignis manifestiert. Leider konnte ich meinen Onkel nicht davon überzeugen, dass es genau aus diesem Grund in meiner Welt keine Zufälle gibt. Dass das passiert, wofür man offen ist. Weil man es sich wünscht. Weil man es braucht. Weil es gut für einen ist.

Vor einigen Wochen wurde wieder so ein Mensch in mein Leben gespült, der dort im Grunde gar nicht hineinpasst. Voll, bunt, durchgetaktet – mein Dasein ist eher auf Konsolidierung denn Wachstum ausgerichtet. Was also tun mit diesem Menschen, der ob seiner Sanftheit, Heiterkeit und Zugewandtheit ein Nein einfach nicht verdient? Mein Kopf rattert von yesterday bis tomorrow und zurück. Und beginnt wieder von vorne. Plötzlich hört er Michael Bublé ‚You only fear the chances that we don’t take‘ singen. Das nehme ich als Arbeitsauftrag. Schritt für Schritt.

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