Gesellschaft

Ein Gespenst geht um in der westlichen Welt und das kann für uns alle sehr gefährlich werden. In meiner Jugend wurde uns immer gesagt: „Wehret den Anfängen!“ Doch die Anfänge sind längst da.

Der Mechanismus geht so: Ein Teil der Gesellschaft gehört zu den sogenannten Siegern und der andere zu den sogenannten Verlierern. Warum sie gewonnen oder verloren haben, ist dabei nicht wichtig. Einmal ist es ein verlorener Krieg, wie zum Beispiel der Erste Weltkrieg in Deutschland und Österreich, das andere Mal sind es die Verlierer der Leistungsgesellschaft. Immer ist es aber so, dass es in der Masse der Verlierer ein paar Psychopathen und Demagogen gibt, die den ungezügelten Hang zu Macht und Bedeutung haben. Den haben viele. Auch aufseiten der Sieger. Es ist nur die Frage, wie sie dies einsetzen und umsetzen: durch Energie, Arbeit und Gestaltungswillen oder durch Demagogie, Lüge und Verführung.

Um das Ganze nicht zu abstrakt zu machen: Als Deutschland und Österreich den Ersten Weltkrieg verloren hatten, wurde ihnen in den Verträgen von Versailles und Saint-Germain ein für sie harter Frieden auferlegt. Die Geschichte ist bekannt. Ein kleiner Gefreiter mit ganz offensichtlich sehr starkem Willen und sehr starkem Geist versprach den Unterlegenen völlig Unrealistisches: Ohne individuelle eigene Leistung würden sie wieder groß und stark werden und das eigene Volk, das sogenannte Herrenvolk, würde über den Rest der Welt herrschen, der noch dazu zum größten Teil minderwertig sei. Ein recht simples und leicht durchschaubares Konzept, möchte man meinen, doch Millionen erlagen ihm und vertrauten dem Gefreiten.

Und heute, 70 Jahre später, geschieht etwas ganz Ähnliches. Wieder ist es die Hälfte unserer Gesellschaften, die dem Leistungsdruck und den Anforderungen nicht gewachsen ist. Sie sind wieder die Verlierer, aber aus einem völlig anderen Grund. Und wieder kommen die Verführer, die mit dem unbändigen Willen zu Macht und Bedeutung, und versprechen wieder völlig Unrealistisches. Amerika würde so groß und mächtig wie früher werden, einfach durch den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, die Länder Europas würden wieder florieren und reich werden, wenn man nur sie wählte und an die Macht ließe. Kein einziger ernstzunehmender Lösungsvorschlag wird gemacht, nur unsinnig Geschenke und Versprechen verteilt. Als Jörg Haider in dem kleinen Bundesland Kärnten Landeshauptmann wurde, hatte er rasch bei einem Landesbudget von 2 Milliarden Euro zwanzig Milliarden Euro verjubelt. So leicht geht das und so wie damals bei Hitler sind ihm auch heute die Kärntner mehrheitlich auf den Leim gegangen. Ob nun Le Pen in Frankreich, Wilders in Holland, H.C. Strache in Österreich oder die Vertreter der AfD in Deutschland, sie alle vereinigt der Wille zur Macht und die populistischen Lügen einer neuen Größe, die auf nichts anderem beruhen als auf ihrer Einbildung. Sie selbst gehören nicht unbedingt zu den Verlierern der Gesellschaft. Am besten sieht man das beim ehemaligen Bürgermeister von London, Boris Johnson. Er war auf einer Eliteuniversität und stammt aus reicher Familie, das hindert ihn nicht daran, durch Lügen und Propaganda England aus der EU zu treiben, nur um selbst an die Macht zu kommen.

Eine ganz andere Gruppe von Verlierern und Außenseitern der Gesellschaft sind die Muslime in Europa und – mit Ausnahme derjenigen in den ölfördernden Ländern – die Muslime weltweit. Und auch dort gibt es ein paar psychopathische Verführer, die ihnen die Weltherrschaft versprechen, wenn sie nur genügend Köpfe abschlagen würden. Und auch sie finden erstaunlich viele AnhängerInnen, die das abstruse Zeugs glauben und ihnen nachfolgen.

Man mag sagen, ich vereinfache, simplifiziere und käme mit ähnlichen undifferenzierten Argumenten daher wie jene, die ich beschreibe. Das ist richtig und das ist falsch. Denn ganz so einfach ist es nicht. Man kann nicht Adolf Hitler, Pol Pot, Le Pen, Abu Bakr al-Baghdadi und Donald Trump über einen Kamm scheren und doch ist strukturell vieles ähnlich: Sie wenden sich mit ihren Botschaften immer an die Unterprivilegierten, sie versprechen Unrealistisches, sie werten die eigenen Anhänger auf und die sogenannten Gegner ab, sie arbeiten mit Emotionen statt mit Sachargumenten, sie lügen und veranstalten eine Art Gottesdienst mit einer Art pseudoreligiöser Aufheizung ihrer AnhängerInnen und sie versprechen, die neuen Messiasse zu sein, die alles richten und alles können. Das Prinzip ist nicht neu. Auch in zahlreichen religiösen Gruppen wurde und wird das praktiziert. Baghwan in Poona, der sich später Osho nannte, der viele gute Bücher schrieb und eine ernstzunehmende Lehre verbreitete, nannte seine AnhängerInnen nur ‚my people‘ und hob sie über den Rest der Welt hervor und so agiert Ole Nydahl aus Dänemark und viele andere Sektenführer.

Aber die Zeiten ändern sich. Vieles ist nicht mehr möglich. Ein Umsturz à la Hitler ist in Europa nicht mehr machbar, immer mehr Menschen haben höhere Schulbildung und sind weniger leicht verführbar. Ich schreibe diese Zeilen am Vorabend zum Referendum in England und zur möglichen Wiederholung der Bundespräsidentenwahl in Österreich. Beides wird wohl abgewendet werden. In Österreich durch unabhängige Richter, in England durch den Tod der armen Abgeordneten Jo Cox in Leeds. Wäre es nicht so ein schauriger Vergleich, könnte man fast sagen, sie sei einen Märtyrertod gestorben. Die Wahl in den USA steht noch aus, die Chancen scheinen aber gut, dass auch dort Trump nicht gewinnen wird.

Das Gespenst in der westlichen Welt, das mit aller Gewalt versucht, an die Macht zu kommen, wird wieder vergehen. Die Kräfte der Finsternis haben immer noch verloren, auch wenn sie gelegentlich Jahrzehnte an der Macht waren.

So wichtig es ist, sich auf seine Gefühle einzulassen, so wichtig ist es auch, den Verstand zu gebrauchen. Die Entwicklung der Menschheit geht immer weiter. In der Aufklärung haben wir gelernt, den Glaubensvorstellungen der Religionen nicht zu viel Macht zu geben und den eigenen Verstand zu gebrauchen. Die Kinder der Aufklärung haben das vergessen und geben den neuen pseudoreligiösen Führern und Demagogen neuen Einfluss.

Eine mögliche Lösung kann es sein, die Kontrolle über die eigenen Gefühle und den eigenen Verstand zu erlangen, auf sich selbst zu vertrauen und die Selbstverantwortung nicht an andere abzugeben, das eigene Bewusstsein zu schärfen und achtsam und konzentriert den Lebensweg zu beschreiten.

Lese auch Buddha, Boris und der Brexit.

Kommentare   

# kreuzer 2016-06-25 07:17
hallo - wenn sie schon von osho , früher bhagwanschreiben : dann bitte doch wenigstens richtig schreiben - also BHAGWAN wenn er von my people sprach , dann einfach von seinen sannyasins , seinen fellow travellors - ist doch klar , das wir das waren ....
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# kreuzer 2016-06-25 07:20
nochmal : wir waren keine sekte , osho ging die freiheit des individuals über alles
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# Meisenbacher Uwe 2016-07-26 21:26
Hallo lieber Peter!

Du schreibst im letzten Satz Deines Artikel, Good night Amerika, Gute Nacht Europa!

Eine mögliche Lösung kann es sein, die Kontrolle über die eigenen Gefühle und den eigenen Verstand zu erlangen, auf sich selbst zu vertrauen und die Selbstverantwortung nicht an andere abzugeben, das eigene Bewusstsein zu schärfen und achtsam und konzentriert den Lebensweg zu beschreiten.
Dazu kann ich Dir meine volle Zustimmung geben.
Mein aberglaubensfreier, buddhistischer Lebensweg wird von mir genauso praktiziert.
Buddhas Worte, treffen hier sehr gut zu. Die Rede an die Kala-
mer. Auzug aus der Lehrrede und sprachliche Formulierung von
Peter Riedl.

Geht nicht nach Hörensagen,
nicht nach Überlieferungen,
nicht nach der Autorität heiliger Schriften,
nicht nach der Autorität eines Meisters.
Geht nach der eigenen Erkenntnis.

Nach meiner eigenen Erkenntnis möchte ich Dir noch mitteilen: Wenn sich die Bürger, von den
etablierten Parteien der politischen Mitte nicht mehr vertreten fühlen; gehen sie aus Protest nicht mehr zur Wahl oder wählen Protestparteien wie FPÖ, AfD, Front National usw. Also liegt die Verantwortung nicht nur bei den Wählern, sondern auch bei den Politikern der Parteien, die die
politische Mitte repräsentieren. Diese sollten schleunigst, eine für den Wählern überzeugende, glaubhafte und wählbare Politik praktizieren. Sonst sieht es für die Demokratie nicht gut aus.

Buddhas Pfad der Weisheit, „mache das Heilsame, lasse das Unheilsame
und entwickle deinen Geist, ist eine gut zu praktizierende Anleitung.

Mit freundlichen aberglaubensfreien buddhistischen Grüßen.
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# Meisenbacher Uwe 2016-08-02 20:14
Hallo Kreuzer,
Sie sagen, sie waren keine Sekte. Osho ging die Freiheit des Individuals über alles. Die Freiheit des Individuals war bei Ihrem Guru Osho besonders ausgeprägt. Im damaligen Ashram in Oregon USA, zelebrierte der Guru einen obszönen Luxus. Sein Fuhrpark bestand aus mehr als 90 Rolls-Royce. Manche waren gespendet, viele aus der Kommunekasse bezahlt worden. Seine ehemalige Vertraute Ma Anand Sheela sagte dazu, der Meister habe ein „kindliches Bedürfnis nach Luxus“ gehabt.
Der Ashram war für den Meister zum Cashram geworden.
Na toll, was für ein Meister!
Da kann ich Ihnen die Rede Buddhas, an die Kalamer empfehlen:
Auszug aus der Lehrrede und sprachliche Formulierung von Peter Riedl
Geht nicht nach Hörensagen.
nicht nach Überlieferungen.
nicht nach der Autorität heiliger Schriften.
nicht nach der Autorität eines Meisters.
Geht nach der eigenen Erkenntnis.

Mit freundlichen aberglaubensfreien buddhistischen Grüßen
Uwe Meisenbacher
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