Leben

Stressforscher Hans Selye definierte Stress als ‚eine Anpassungsleistung des Organismus auf alles, was die Balance lebenswichtiger Funktionen stört'. Er lehrte: Abwechslung in den Anforderungen fördert die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.

Gönne dir einen Augenblick der Ruhe und du begreifst, wie närrisch du herumgehastet bist. Lerne zu schweigen und du merkst, dass du viel zu viel geredet hast. Sei gütig und du siehst ein, dass dein Urteil über andere allzu hart war. Chinesische Weisheit

Dort, wo sich Hase und Igel ‚Gute Nacht' wünschen, ist mein Zuhause. Manchmal fühlt sich das Leben in meiner beschaulichen Ecke wie Urlaub an, manchmal ist auch bei mir gegen den Stress kein Kraut gewachsen. Ein UPS-Fahrer braust in höchster Zeitnot auf den Hof, braucht sofort meine Unterschrift, während ich am Telefon einen Handwerker habe, der wissen will, was ich nicht weiß. Dringende Mails warten auf Antwort. Garten und Auto sollten winterfest gemacht werden. Ich muss noch Flüge heraussuchen und die viel zu lange aufgeschobene Buchhaltung anpacken. Ich lächle mit zusammengebissenen Zähnen, spüre eine unangenehme Enge im Atemraum. Irgendwie scheint sich die Erde schneller zu drehen, die Fliehkräfte wachsen bedrohlich. Alle Menschen, denen ich begegne, rennen. „Whooosh!", raunt die Zeit und verflüchtigt sich.

Stressforscher Hans Selye definierte Stress als ‚eine Anpassungsleistung des Organismus auf alles, was die Balance lebenswichtiger Funktionen stört'. Er lehrte: Abwechslung in den Anforderungen fördert die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Stress wird erst zum Problem, wenn die Ressourcen einer Person überschritten werden, wenn die negativen Auswirkungen überwiegen. „Ich bin im Stress", sagt genau genommen: „Ich lote gerade meine Grenzen aus." Kurzfristig schärft das die Wahrnehmung, lässt uns präsenter und agiler werden. Zum Problem, zum Burn-out, führt der Stress, wenn wir in unserem Alltag das extreme Anforderungsniveau nicht mehr loslassen können und unablässig im 5. Gang fahren. Ein chronisch erhöhtes Erregungsniveau durch anhaltende Belastung schwächt unser Immunsystem. Durch Kaffee, Alkohol, ungesundes Essverhalten und Bewegungsmangel wird der Körper zusätzlich beansprucht. Blutdruck, Atemfrequenz und Muskeltonus steigen langsam und unbemerkt. Der Körper kommt in ein Widerstandsstadium, das irgendwann zusammenbricht.

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Achtsame Körperwahrnehmung und Meditation helfen uns, konstruktiver und weniger gesundheitsschädlich mit Stress umzugehen. Je genauer wir die körperlichen Begleiterscheinungen von Stress spüren, umso früher werden wir die Reißleine ziehen und ‚Schluss jetzt!' sagen. Wir lernen, hohe Anforderungen optimistisch anzunehmen und dafür zu sorgen, dass wir regelmäßig Zeiten von entspanntem Nichtstun genießen. Die Achtsamkeitsübung schult uns in Verantwortung für eigenes Handeln und den eigenen Geisteszustand. Wir lernen tatsächliche Erfahrung, inneres Erleben und die Interpretation davon zu unterscheiden und liefern uns nicht mehr Gewohnheitsmustern aus. Mit kontinuierlicher Achtsamkeitsübung entsteht der innere Raum, in dem wir uns bewusst entscheiden, wie ein kluger Umgang mit unserem Stress-Empfinden aussieht.

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# Susanne 2016-04-18 12:35
Marie Mannschatz ist einer meiner lieblingsautoren
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