Leben

Sich seinen Ängsten stellen und dadurch inneren Frieden erlangen – Buddhas Erfahrungen können uns dabei helfen.

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten und seine Integration in die Gesamtpersönlichkeit sind seelische Anpassungsleistungen, die nach C. G. Jung zu den zentralen Aufgaben des menschlichen Reifeprozesses gehören. Der ‚Schatten‘ steht für die negativen, sozial unerwünschten und daher unterdrückten Züge der Persönlichkeit, also für jenen Teil des Ichs, der wegen gesellschaftsfeindlicher Tendenzen in das Unbewusste abgeschoben wird und sich durch uns allen gut bekannte und eben mehr oder weniger verdrängte Emotionen zeigen kann, etwa durch Gier, Rachsucht, Egozentrik, Faulheit, Schwäche, Obszönität, Brutalität, Feindseligkeit.

Unser Körper wird ruhig und beherrscht und unser Geist wird gesammelt.

Wenn die Integration des Schattens unterbleibt, kann es zu seiner Verleugnung, zum Nicht-wahrhaben-Wollen und zur Projektion auf andere Objekte, Personen oder Gruppen kommen. Auf diese Weise entstehen unter anderem Angst und Vorurteile, aber auch das bekannte ‚Sündenbock‘-Syndrom sowie Phänomene wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder Homophobie.

C. G. Jung fragte ganz direkt: „Willst du gut oder ganz werden?“ Wer gut werden will, habe „... ein anstrengendes Leben vor sich, das über Ausschluss und Projektion immer mehr in die Enge führt. Wer stattdessen ganz werden will, darf ein spannendes Leben erwarten, das ihn immer weiter machen wird und offener für das, was ist“.

In der Lehrrede 4 mit dem Titel ‚Angst und Grauen‘ aus der Mittleren Sammlung erzählt der Buddha dem Brahmanen Janussoni, wie er sich als Bodhisattva, also noch nicht voll erleuchtet, bei Nacht ganz allein in Wald und Wildnis vor Angst und Grauen geschützt habe. Er erläutert, wie man ohne Angst und Grauen an einsamen Plätzen im Wald verweilt. Voraussetzung für einen friedlichen Aufenthalt dort sei unter anderem ethisches Verhalten und das Überwinden geistiger Hindernisse:

„Ich aber bin in Werken, Worten, Gedanken und Lebensweise rein. Je mehr ich solche Reinheit bei mir beobachtete, umso sicherer fühlte ich mich in Wald und Wildnis.
Weiter dachte ich: Solche Samanas und Brahmanen (Mönche und Priester), die nach sinnlichen Lüsten begehren, leidenschaftlich erregt, gehässig, übel gesinnt, schlaff und träge, die ein schlechtes Gewissen haben, die in Zweifeln hin und her schwanken, die überheblich sind und andere verachten; die furchtsam und ängstlich sind, die nach Gewinn und Ruhm trachten, energielos, unachtsam und unklar, verwirrt und zerstreut, töricht und beschränkt – die überfällt, wenn sie in Wald und Wildnis leben, wegen dieser Eigenschaften Angst und Grauen.
Dann sagte ich mir: Warum soll ich Angst und Grauen erwarten? Soll ich nicht vielmehr Angst und Grauen, wenn sie kommen, zurückweisen? So ging ich weiter umher und ließ Angst und Grauen nicht an mich heran. Ich wurde energisch und standhaft, achtsam und klar, körperlich ruhig und beherrscht und geistig gesammelt.“
So meditierte der Buddha im Wald und erreichte weitere Vertiefungen.

Wie lassen sich Buddhas Erfahrungen aus dem dunklen Wald in unser modernes, hektisches Leben übertragen und als Anregung anwenden? Es ist natürlich überhaupt nicht möglich, immer heilsam zu handeln, zu sprechen und heilsam zu denken und sich Zeit zur Besinnung, zum Meditieren zu nehmen. Durch Üben erhalten wir aber Kraft und werden standhaft, achtsam und klar. Unser Körper wird ruhig und beherrscht und unser Geist wird gesammelt.
In dieser Verfassung kann uns Angst nicht mehr viel anhaben.

Literatur beim Verfasser

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