Leben

Der deutsche Arzt und Psychotherapeut Rüdiger Dahlke ist überzeugt, dass Körper und Geist eine Einheit bilden und Gesundheit durch Fasten und Meditation gefördert werden kann.

Was verstehen Sie unter Gesundheit?
Gesund ist ein Mensch, wenn körperlich alles in Ordnung ist und er sich auch seelisch wohlfühlt. Der Geist sollte klar sein. Ich denke, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, sein Potenzial auszuschöpfen. Dadurch lässt sich ein erfülltes Leben führen, weil der Mensch dann mit allen Lebensprinzipien in Berührung steht.

Was verstehen Sie unter Lebensprinzipien?
Es gibt zwölf Lebensprinzipien (siehe Kasten). Wenn man es schafft, mit all diesen zwölf Elementen in Harmonie zu sein, ist man wirklich auf allen Ebenen gesund.

Warum entsteht eine Krankheit?

Krankheit entsteht, wenn man einer Thematik im Leben nicht gerecht geworden ist. Lebensprinzipien haben immer eine positive und eine negative Seite. Wenn einer zu sehr ins Negative kippt und somit in Disharmonie gerät, entstehen Krankheiten. Das erste Lebensprinzip, die Aggression etwa, kann ebenfalls sowohl negativ als auch positiv sein: Sie kann mit Mord und Totschlag ausgelebt werden oder aber auch durch Mut und Entscheidungsfreudigkeit. Wenn eine Person ein Prinzip ganz ignoriert oder wenn sie lange und stark auf die negative Seite geht, sinken diese Themen in den Körper. Der geistige Zustand verkörpert sich sozusagen. Da dies ein unbewusster Prozess ist, kann Meditation helfen zu erkennen, welches Thema hinter einem körperlichen Problem steht.

Was verändert sich dann?

Es gibt eine Verbindung zwischen Meditation und Medizin. Medizin und Meditation haben nicht zufällig denselben Wortstamm. Da steckt das Wort ‚Mitte‘ drinnen. ‚Heil-mittel‘ hießen früher ‚Re-medium‘, was nichts anderes als zurück zur Mitte bedeutet. Es geht in der Medizin und bei der Meditation darum, zurück zur Mitte zu finden.

Heilung geht immer durch den Geist, meinen Sie das?
Im christlichen Sinne schon, ob das jetzt konkret immer zutrifft, kann ich nicht sagen. Ich beschäftige mich mit der Krankheitsdeutungsmedizin und bin zur Überzeugung gekommen, dass niemand nur von außen heilen kann. Ich glaube, dass die Patienten selber viel bewegen können und zum Heilwerden auch müssen. Sie können ihre innere Heilkraft finden.

Wie hängen Geist und Körper zusammen?

Jede Krankheit hat einen geistigen Zusammenhang. Ich sehe eine Krankheit als Symbol, jedes körperliche Problem hat eine seelische Entsprechung. Für alle Symptome gibt es somit einen seelischen Grund. Die Konflikte können dann zum Beispiel durch Meditation oder Psychotherapie wieder aufgelöst werden. Wenn wir wissen, wofür eine Krankheit im seelischen Bereich steht, können wir uns auf der geistigen Ebene selber heilen.

Und auf der körperlichen Ebene?

Da sorgt die Schulmedizin für Behandlung. Meine Empfehlungen sind als Komplementärmedizin anzusehen. Es ist wichtig, dass man vor allem bei schlimmen Krankheiten wie Krebs auch die seelische Ebene bearbeitet. Der Mensch kann nur gesund werden, wenn sowohl das Körperliche als auch das Seelische und Geistige behandelt werden. Mein Augenmerk liegt auf den persönlichen sowie seelischen Gründen einer Erkrankung.

Gilt das für sämtliche Erkrankungen?

Ja, jede Lungenentzündung hat immer auch eine bestimmte seelische Bedeutung. Aber die individuelle Persönlichkeit und die Lebensgeschichte spielen ebenfalls eine Rolle. Es gibt nicht zweimal dieselbe Lungenentzündung. Um herauszufinden, was eine Lungenentzündung in einer konkreten Situation zu bedeuten hat, empfehle ich eine geführte Meditation. Sie regt auch gleich die Selbstheilungskräfte an.

Können Sie ein Beispiel geben?

Es kommt auf die Krankheit an. Nehmen wir an, jemand hat eine Entzündung: Diese Person würde ich darauf hinweisen, dass diese Entzündung ein Krieg zwischen Immunsystem und Erregern ist. Der Krieg ist in den Körper gesunken, da der Betroffene auf der Bewusstseinsebene mit einem der Lebensprinzipien nicht in Harmonie war. Der Patient muss versuchen, diesen Krieg statt im Körper auch auf einer geistigen Ebene zu führen. Fasten ist da oft eine wunderbare Hilfe, weil sich dadurch die Entzündungswerte im Körper senken lassen. Ich rate auch dazu, Wärme in den Organismus zu bringen und viel Bewegung zu machen. 

Welche Wirkung hat Fasten?
Fasten ist für mich eine wundervolle Möglichkeit, sich zu reinigen und das Immunsystem anzukurbeln. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche wissenschaftliche Belege, die zeigen, dass Fasten dem Körper guttut. Es ist wie ein Jungbrunnen. Bereits nach kurzer Zeit erneuert sich das Immunsystem weitgehend. Fasten stärkt die gesunden Zellen und schwächt die kranken.

Das kann aber nur vorübergehend sein?

Genau. Fasten ist dann besonders sinnvoll, wenn man sich im Anschluss auch auf eine gesunde Ernährung einlässt wie pflanzlich-vollwertig im Sinne von Peacefood. Das Essen sollte nach Krankheitsbildern abgestimmt werden. Bei Herzerkrankungen, Gefäßproblemen oder Krebs gelten jeweils andere Ernährungsregeln. Die Basis bei allem ist jedoch immer eine gute pflanzliche Ernährung. Wichtig ist auch, dass man genug Wasser aus guten Quellen trinkt.

Gilt das wirklich nur für Kranke?

Für eine ganzheitliche Heilung ist die Verbindung von geführten Meditationen und einem Fastenprogramm sehr vorteilhaft. Ich würde aber beides auch für gesunde Menschen empfehlen, denn es wirkt vorbeugend gegen Krankheiten und führt zu einem ausgeglichenen Leben in Harmonie mit allen Lebensprinzipien.

Ihr Rat an die Menschen?

Wir brauchen Kenntnisse von den Spielregeln des Lebens, den ‚Schicksalsgesetzen‘. Worum geht es eigentlich im Leben? Wir müssen die Dinge erst verstehen, um Probleme lösen zu können. Wichtig ist, einen Sinn im Leben zu finden. Wie es Viktor Frankl so schön gesagt hat, brauchen wir Sinnfindung, denn was keinen Sinn für uns hat, ist sinnlos. Früher haben viele Menschen ihren Sinn in der Religion gefunden, heute suchen ihn viele woanders und manche finden ihn in der spirituellen Philosophie. Auch jede Krankheit hat ihren Sinn und will uns etwas zeigen. Nichts ist zufällig.

Dr. Rüdiger Dahlke, geboren 1951, ist Psychotherapeut und Arzt sowie Autor zahlreicher Bücher.

Foto © Angelika Silber

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