Spiritualität

Begeben wir uns in die Zeit des Buddha und erfahren einige wichtige Stationen seines Lebens. Von seiner Herkunft bis zu seinem Ende.

Herkunft und Jugend
Der Buddha wurde circa 560 vor Christus geboren, stammte aus einem Fürstengeschlecht und sollte die Nachfolge seines Vaters Suddhodana als Herrscher des Landes antreten. Dementsprechend wurde er behütet erzogen und in allen notwendigen Disziplinen ausgebildet. „Bei Tag und Nacht wurde über mich ein Sonnenschirm gehalten ... und ich besaß drei Paläste.“
Im Alter von 16 Jahren wurde Siddhattha verheiratet und 13 Jahre später wurde sein Sohn Rahula geboren. In den Reden wird oft erzählt, dass er in dieser Zeit mit einem Diener vier Ausfahrten unternahm und dabei Alter, Krankheit, Tod und einem Asketen begegnete. Die Erkenntnis, dass auch er selbst diesen Lebensgesetzen unterworfen war, brachte ihn zum Nachdenken und schließlich zur Abkehr von der Welt. „Wahrlich, der naive Weltling, selber dem Tode unterworfen, ist angeekelt, wenn er einen Toten sieht. Doch auch ich bin ja dem Tode unterworfen, kann ihm nicht entgehen. Indem ich so nachdachte, schwand mir der Lebensrausch.“

Askese und Erleuchtung
Kurz danach verließ er Palast und Familie und zog als besitzloser Asket durch das Land, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach Befreiung vom Leiden.
Er suchte nun auf seinem Weg zwei bedeutende Gurus seiner Zeit auf und lernte bei ihnen meditative Praktiken. Nach kurzer Zeit der intensiven Übung hatte er bei beiden Lehrern das Ziel erreicht und wurde aufgefordert, ihr Nachfolger zu werden. Doch der junge Asket lehnte ab, er wollte mehr, er wollte die endgültige Befreiung vom Leid.
„Diese Lehre führt nicht zur Abkehr, zur Leidenschaftslosigkeit, zum Aufhören, zur Beruhigung, zur Erkenntnis, zum Erwachen, zum Nibbana, sondern lediglich bis zum Bereich der Nichtsheit.“
Danach wählte der Buddha den Weg der strengsten Askese fast bis zum Verhungern, doch auch so kam er nicht weiter. Schließlich erinnerte er sich an einen außergewöhnlich friedlichen Geisteszustand in seiner Kindheit und fand in diesem Glücksgefühl den neuen Weg zum Erwachen. Er erlebte eine ‚freudig-heitere Versunkenheit‘.
Der Buddha beschreibt ausführlich seine Erfahrungen in der Nacht, als er die Erleuchtung erlangte. In der ersten Nachtwache erkannte er seine unzähligen Vorexistenzen in allen Details (wie etwa Familie, Stand) und in der zweiten konnte er die vergangenen Leben anderer Wesen sehen. In der vedischen Kultur war die Wiedergeburt auf verschiedenen Ebenen (Mensch, Tier, Geistwesen, Dämonen, Götter …) eine nicht zu leugnende Tatsache.
Im dritten Teil der Nacht erkannte er die ‚Vier edlen Wahrheiten‘ und gewann durch Durchschauen der Ursachen des Leidens die völlige innere Freiheit (Erleuchtung oder besser Erwachen).
„Gesichert ist meine Erlösung, dies ist meine letzte Geburt, ein Wiederentstehen gibt es nicht mehr!“

Beginn der Lehrtätigkeit
Der nun Erwachte zweifelte zunächst daran, ob er seine ‚tiefe, schwer durchschaubare, ausgezeichnete, bloßer Logik unzugängliche Lehre‘ an andere weitergeben sollte, doch der Legende nach soll ein göttliches Wesen ihm gesagt haben: „Möge der Erhabene die Lehre darlegen. Es gibt Wesen, deren Augen kaum mit Staub bedeckt sind; wenn sie die Lehre nicht hören, sind sie verloren.“
Zunächst suchte der Erwachte einige ehemalige Gefährten auf. Bei Benares (Anmerkung der Redaktion: Ort in Indien) überzeugte er die zunächst Zweifelnden von seinem Weg, indem er die berühmte erste Rede von den ‚Vier edlen Wahrheiten‘ und dem ‚Edlen Achtfachen Pfad‘ hielt. Mit diesen Jüngern formte er eine Gemeinschaft (sangha), ermöglichte die ersten tiefen Erkenntnisse und gründete den heute noch lebendigen Orden der buddhistischen Mönche (bhikkhus). Nach einiger Zeit schickte er die erwachten Mönche auf Wanderschaft, um die Lehre zu verbreiten, und er selbst begann ein vierzigjähriges Leben als hausloser Lehrer. Nur in der Regenzeit hatte man einen festen Platz aufzusuchen, wo dann meditiert und die Lehre studiert wurde. In der Anfangszeit bekehrte er einen König zur Lehre, machte die beiden Mönche Sariputta und Moggallana zu seinen obersten Mönchen und besuchte schließlich seine Heimatstadt. Er predigte seiner Familie und das führte unter anderem dazu, dass sein Sohn ebenfalls die Familie verließ und Mönch wurde. Das verärgerte den Vater des Buddha sehr, der nun auch seinen Enkel als Nachfolger verloren hatte. Immerhin erließ der Buddha eine neue Regel, nach der bis heute jeder junge Mann, der in den Orden eintreten will, die ausdrückliche Erlaubnis seiner Familie braucht. Die Stiefmutter des Buddha, seine Tante Mahapajapati, war auch so beeindruckt, dass sie ebenfalls ein asketisches Leben ohne Haus und Besitz führen wollte. Das war damals für Frauen nicht vorgesehen. Immerhin war sie aber die Königin und beschloss mit einer Reihe von anderen Frauen, sich die Haare zu scheren, einfache Gewänder anzuziehen und dem Buddha auf seiner Wanderschaft barfuß nachzufolgen. Das war ungewohnt und für den Buddha, seine Mönche und die Gesellschaft ziemlich verstörend. Erst als Ananda, der ständige Helfer des Buddha, die entscheidende Frage stellte, ob denn Frauen die gleiche Fähigkeit hätten, Erleuchtung zu erlangen, und der Meister das bejahen musste, fand sich der Buddha bereit, auch einen Orden für die Nonnen zu gründen. Aber er erließ neue Regeln für die Nonnen und stellte sie ganz eindeutig in der Hierarchie unter die Mönche. Mit der Zeit wurde es außerdem notwendig, immer mehr Regeln für Mönche und Nonnen aufzustellen.

Weitere Stationen und Begegnungen
Vierzig Jahre wanderte der Buddha durch Nordindien, sammelte Anhänger, unterrichtete, belehrte, meditierte und entwickelte ein großes System von Lehren und Übungen. Ohne Zweifel war und ist eines der wichtigsten Gebiete der Lehre die Meditation der Achtsamkeit und Sammlung. Aber auch ethisches Verhalten ist ein grundlegender Baustein und schließlich das Erlangen von Einsicht und Weisheit.
Auf seinen Reisen bekehrte der Buddha weitere Fürsten, hatte viel mit der Festigung des wachsenden Ordens zu tun und musste auch manchen Streit unter den Mönchen schlichten. Bei der Frage der rechten Ernährung kam es zu einer vorübergehenden Spaltung des Ordens, da der Buddha den Mönchen erlaubte, Fleisch zu nehmen, wenn es nicht extra für sie geschlachtet worden war.
Viel hatte der Buddha in der Auseinandersetzung mit anderen Lehren und Lehrern zu tun, da sich etliche Reden auf die falschen Ansichten anderer Sekten beziehen. Magische Praktiken lehnte der Erwachte ab.
Wichtig für die Verbreitung der Lehre war die Unterstützung durch wohlhabende Laien und hier ist besonders ein Kaufmann namens Anathapindika zu nennen, der dem Orden große Grundstücke zur Verfügung stellte.

Das Ende des Buddha
Über die letzten Tage des Erwachten gibt es eine ausführliche und anrührende Beschreibung. Sie erzählt, dass der Meister im Alter von achtzig Jahren mit einigen wenigen Mönchen bei einem Schmied zum Essen eingeladen war. Dort wurde ihnen unabsichtlich eine unbekömmliche Speise vorgesetzt. Obwohl der Meister die Schädlichkeit dieser Speise erkannte, aß er davon und erkrankte kurz darauf ernsthaft. Kurz davor hatte er zu Ananda gesagt: „Ich bin jetzt alt … ich habe die Grenze erreicht. Achtzig Jahre werde ich alt. Wie ein abgenutzter Karren nur noch mit Riemen funktionsfähig gehalten wird, so ist auch mein Körper nur noch mit Bandagen funktionsfähig.“
Trotz der Schwäche wanderte der Erhabene mit einigen Mönchen weiter zu einem kleinen Ort, an dem sie blieben. Dort verkündete er Ananda seinen baldigen Tod und gab verschiedene Anweisungen für den Orden und den Umgang mit seinen sterblichen Überresten. Unter anderem bestimmte er keinen Nachfolger, sondern sagte: „Die Lehre und die Disziplin, die ich euch gelehrt habe, die sollen euch nach meinem Hinscheiden als Lehrer dienen.“
Die letzten Worte des Vollendeten waren: „Dem Verfall unterworfen sind die zusammengesetzten Dinge; strebet ohne Unterlass.“

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