Spiritualität

Das Sanskrit-Wort maitrī (Pali: metta) heißt wörtlich ‚Freundschaft', auch ‚Freundlichkeit, Wohlwollen, Liebe'. Maitrī als Qualität von Yoga ist die emotionale Seite der zuvor beschriebenen Aspekte Prajñā und Smŗti, denn Erkenntnis ohne Freundlichkeit bleibt herzlos und Freundschaft ohne Verständnis oberflächlich – genau dasselbe gilt für Achtsamkeit.

Sowohl im Yoga als auch im Buddhismus ist Maitrī zusammen mit Mitgefühl, Freude und Gelassenheit eine der vier ‚Wohnstätten Brahmans' (S. brahmavihāra). Das Yoga-Sūtra empfiehlt ihre Verwirklichung als geeigneten Weg zur Beruhigung des Geistes. Detaillierte Anweisungen, wie diese Qualitäten durch Meditation erlangt werden können, finden wir bei Buddha: Sie werden auf geniale Weise in Stufen eingeübt. In der traditionellen Form ist der Ausgangspunkt das freundliche Wohlwollen zu sich selbst. Das heißt, sich in allen Aspekten ganz anzunehmen, gleichsam zu ‚umarmen'. Von dieser – körperlich spürbaren – Empfindung ausgehend wird die Freundlichkeit immer mehr auf andere Personen erweitert.

Als Teil von sieben wichtigen Aspekten des Yoga verstehe ich Maitrī – über Buddha hinausgehend – als das Bemühen um eine grundsätzlich wohlwollende innere Haltung, die bei sich selbst beginnt und auf die ganze Mitwelt ausgedehnt wird: Menschen, Tiere, Situationen...

Lieben heißt, die Würde und Integrität des anderen zu achten, selbst dort, wo wir nicht damit einverstanden sind. Es heißt jedoch nicht, alles gutzuheißen oder immer nachzugeben. Manchmal kann Liebe dazu führen, Grenzen zu setzen, sich selbst zu schützen, auf Mängel hinzuweisen oder auch andere daran zu hindern, Unrecht zu tun. Wohlwollen bedeutet, zu wünschen und beizutragen, dass alle – auch die Gegner – zu einem erfüllten Leben finden.


Erforschung des Inneren: Yoga jenseits der Matte

-Der Einstieg in die Verwirklichung von Maitrī ist einfach: ein Lächeln!
-Wo immer Sie gerade sind: Schenken Sie sich selbst ein freundliches, anerkennendes, wohlwollendes Lächeln.
-Nehmen Sie wahr, welche Veränderungen Sie im Körper und im Geist spüren. Lassen Sie sich Zeit, bis sich die Wirkungen des Lächelns ausbreiten (ruhig öfter lächeln).
-Vielleicht wollen Sie jetzt auch Ihrer Umgebung ein freundliches, wohlwollendes Lächeln schenken: einer Person, einem Tier oder einem Blumenstock.
-Nur Mut: Lächeln Sie (auch in der U-Bahn) – freundlich, ohne aufdringlich zu sein.
-Die Verwirklichung von Maitrī ist ansteckend wie ein Funke: Lächeln.

 

Erika Erber, Yogalehrerin, Buddhistin, studiert Philosophie und Indologie und ist Vorsitzende der Berufsgruppe YOGA AUSTRIA-BYO.

 

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