Wohlfühlen

„Der Wind ist die Mutter aller Krankheiten.“ So sagen wir in der Chinesischen Medizin. Mit ihm verteilen sich Viren und Pollen, durch ihn verbreitet sich die Natur. Auch Stress ist Wind, viel Luft um nichts.

Ein gesunder Körper hat kein Problem mit Wind. Wenn das Zheng-Qi kräftig ist, bleibt er draußen. Der beste Infekt ist der, den man gar nicht bekommt! Der Begriff des Zheng-Qis, des aufrechten Qis, ist mit unserem Begriff des Immunsystems gleichzusetzen. Es besteht aus drei Teilen: Wei-Qi, Zang-Fu-Zhi-Qi (Abwehr der Organe), Ben-Qi (Abwehr der Niere, des Jings). Das Wei-Qi, das Abwehr-Qi der Lunge, fließt zwischen Haut und Muskulatur im gesamten Körper und empfängt die Angreifer direkt an der Oberfläche. Bei Infektanfälligkeit meinen wir zumeist eine Schwäche des Wei-Qis! Es gibt mehrere Ursachen, warum man ständig verkühlt ist. Die häufigsten drei sind: viel zu kalt essen, , zu wenig Bewegung, , zu viel Stress und Belastung. Es geht also um die drei Organe Milz, Lunge und Leber.
Viel zu kalt essen: Denken Sie an unser wichtigstes Organ, die Milz. Die Milz mag es gerne regelmäßig warm, besonders dann, wenn man sie ständig stark beansprucht. Den Zusammenhang zwischen Essen und Infekten sehe ich seit Jahren in meiner Praxis vor allem bei den Kindern. Viele unserer Kinder ernähren sich von zu viel Milchprodukten – welche für unsere Milz sehr viel Arbeit bedeuten –, Zucker und Weißmehlprodukten. Westlich gesprochen setzt das die Bauchspeicheldrüse unter Stress und damit die Niere, welche mit der Ausschüttung von Stresshormonen reagiert, und Stress unterdrückt das Immunsystem. Entsprechend findet man zumeist bei ihnen viel Schleim und Feuchtigkeit. Wenn die Kinder sich nur einen Monat ohne Zucker & Co und ohne Milchprodukte ernähren, werden Sie sehen, dass die Zunge auf einmal ganz anders aussieht (viel weniger Belag!) und die Infekte fehlen!
Zu viel Denken belastet die Milz! Der Gebrauch unseres Gehirns ist ein hochenergetischer Prozess, sodass die Milz schnell ins Schwitzen kommt und müde wird, wenn man zu viel denkt, wenn man ständig am Computer sitzt und sich kaum bewegt. Die Milz hat ein Kind und das ist die Lunge. Wenn die Mutter sich nicht gut um ihr Kind kümmert, wird dieses verkümmern und schwächeln. Wenn die Milz nicht gut verdauen kann, weil wir zu kalt und unregelmäßig essen, wird dies Feuchtigkeit und Schleim (‚Müll‘) machen und bevorzugt in der Lunge landen. Also die erste Voraussetzung für eine gute Immunlage ist: Sei lieb zur Milz!
Zu wenig Bewegung: Erinnern Sie sich an das, was die Milz macht: Sie verwendet unser Essen und unsere Atemluft, um daraus Qi und Blut zu produzieren. Wenn wir uns nicht regelmäßig bewegen, bekommt der Körper relativ wenig Sauerstoff, den er dazu nutzt, um unser Essen in jeder einzelnen Zelle zu verbrennen. Zu wenig Bewegung bedeutet eine schlechte Verdauung und damit eine müde Milz. Da die Milz die Mutter der Lunge ist, wird die Mutter schwach sein. Wenn wir uns regelmäßig bewegen (und regelmäßig heißt fast täglich!), trainieren wir außerdem die Lunge selbst. Sie wird stark sein und ein starkes Wei-Qi produzieren. Die zweite Voraussetzung für ein gesundes Immunsystem: Sei lieb zu deiner Lunge und trainiere sie! Man kann das Immunsystem zusätzlich durch regelmäßige Saunabesuche stärken (trainiert das Schwitzen und damit das ‚Hitze-aus-dem-Körper-Vertreiben‘) und indem man regelmäßig auf Berge steigt. Die Höhenluft gibt unserem Immunsystem einen starken Anreiz, stärker zu werden. Diesen Effekt der Höhe kann man auch in der Klimakammer in Form der hypobaren Therapie anwenden. Auf den Berg gehen stärkt zusätzlich die Kondition und die Kraft der Lunge! Dann gibt es noch die Möglichkeit einer Schluckimpfung, bei der man die häufigsten Keime in ungefährlicher Form isst und damit die Lunge über den Dickdarm und die Darmflora trainiert (zum Beispiel Luivac® Tabletten).

Zu viel Stress und Belastung: Allein durch die Art und Weise, wie wir leben, setzen wir unseren Körper ständig unter Stress: Die strenge Struktur des Tagesablaufs, ohne auf Bedürfnisse des Körpers Rücksicht nehmen zu können, die Mehrfachbelastungen mit Familie und Beruf, der Lärm und Schmutz der Großstädte. All das ist viel Wind (um nichts, wie Sie wissen ...) und die Leber hasst Wind! Ich bin immer wieder entsetzt, wie saitenförmig der Puls eines Fünfjährigen sein kann, wie rot die Ränder seiner Zunge! Viele Kinder haben all die Infekte, weil wir sie ständig durch den Tag hetzen, ihnen und ihrer Milz keine Ruhe gönnen, ihnen schon unseren Leistungsdruck überstülpen und sie nicht Kind sein lassen können. Sie kennen den Mechanismus schon, der dann abläuft: Die Leber attackiert die Milz, sodass die Mutter der Lunge und damit die Lunge selbst schwach wird und voilà: Infekte! Also sind wir lieb zu unserer Leber mit regelmäßiger Bewegung, worüber sich gleich auch die Lunge freut, und Stressabbau – und zur Leber unserer Kinder!
Und damit alles nicht zu kompliziert wird: Bei Allergien ist es genauso! Allergien haben die gleichen drei großen Ursachen, die unsere Milz, unsere Lunge und unsere Leber belasten. Infekte fliegen ja mit der Luft herum. Luft ist Wind. Wind ist die Mutter aller Krankheiten: Wind trägt Kälte oder Hitze in den Körper. Das sind die Infekte. Die Leber hasst Wind. Pollen fliegen im Wind herum wie auch die Keime für die Infekte. Pollen und Staub und Gräser, alles, was im Wind herumfliegt, ist für uns chinesisch gesagt auch Wind! Und die Leber hasst noch immer Wind. Und Allergie-Symptome sind Leber-Symptome! Allergie-Symptome schauen oft so aus wie Infekte, mit all dem Schleim, dem Schlecht-Luft-Bekommen, dem Hitzegefühl (teilweise wechselt Hitze mit Kälte), dem Puls und der Zunge, und die Kräuter, die ich dann gebe, sind auch oft die gleichen!
Chinesisch findet man bei infektanfälligen Menschen in Puls, Zunge und Anamnese daher Zeichen von Feuchtigkeit, Schleim, Milz-Qi-Mangel und Lungen-Qi- oder Lungen-Yin-Mangel, Leber-Qi-Stagnation oder Leber-Hitze. Und abhängig davon, was wir in Puls und Zunge finden, werden wir behandeln. Aber eine Möglichkeit gibt es noch: Wir nehmen ein Anti-Wind-Kraut und damit vertreiben wir die Mutter der Krankheiten, den Wind, nehmen noch ein Superkraut für die Milz und die Lunge, und noch ein Kraut für die Milz, damit es hält, und schon haben wir unsere Mischung, um den Körper vor Wind zu schützen.

W9 Weidinger Mischung Nummer 9: ‚Jade-Windschutz‘

HUANG QI

Radix Astragali Membranacei

40,00%

BAI ZHU

Rhizoma Atractylodis Macrocephalae

30,00%

FANG FENG

Radix Ledebouriellae Divaricatae = Radix Saposhnikoviae Divaricatae

30,00%

m.f. 100 g; adde Messlöffel       
S: mit reichlich frischem Ingwer 2-3 Mal täglich 3 Gramm

Falls Sie diese Mischung probieren wollen: www.georgweidinger.com. Dort finden Sie eine Liste all jener Apotheken, bei denen Sie diese Mischung beziehen können; auch finden Sie dort die Art der Anwendung, bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker oder lesen Sie in aller Ruhe das Buch ‚Die Chinesische Hausapotheke‘.

Radix Astragali Membranacei (chinesisch HUANG QI, deutsch Tragantwurzel, Astragaluswurzel) ist süß und leicht warm, ist ein Qi-Tonikum für Milz und Lunge, stärkt das Qi und indirekt das Blut und hebt das Yang. Astragalus stärkt das Wei-Qi und ist das Superkraut der Chinesischen Medizin zur Immunstärkung bei Abwehrschwäche und Allergien. Westlich gesprochen erhöht diese Wurzel die Leukozyten (die weißen Blutkörperchen) und steigert die unspezifische und humorale (in den Körperflüssigkeiten) Immunität. Sie verstärkt die Reifung der roten Blutzellen im Knochenmark und stärkt damit das rote Blutbild. Die chinesischen Kräuter wirken nicht nur immunstärkend, sondern immunmodulierend. Das heißt, sie geben dem Körper die Baustoffe, um ein gutes Immunsystem aufzubauen. Wenn dieses zum Beispiel während einer Cortison-Behandlung unterdrückt wird, können die chinesischen Kräuter diesen Effekt nicht neutralisieren, sondern eher seine Kapazität stützen, mit dem Cortison gut und richtig umzugehen. Gerade während einer Cortison-Therapie sind Patienten vermehrt Angriffen durch Infekte und Keime ausgesetzt. Natürlich gehört eine immunstärkende Therapie bei immununterdrückten Patienten in die Hand eines Spezialisten. Astragalus schützt nachgewiesenermaßen die Leber und die Niere, vor allem auch vor den belastenden Effekten westlicher Medikamente. Der hebende Effekt wird ausgenutzt, um Organe zu heben (eine der zahlreichen Funktionen der Milz ist es, die Organe an Ort und Stelle zu halten, gegen das Prinzip der Schwerkraft), die sich senken wollen, beispielsweise die Gebärmutter, die Blase, Hämorrhoiden, Anus oder Hernien (Brüche). Astragalus wirkt Wunder bei Erschöpfung der Milz und Lunge, die sich durch spontanes Schwitzen (Zeichen der schwachen Lunge) äußert. Astragalus ist das Hauptkraut zur Begleitung einer Chemotherapie, einer Erschöpfung der Mutter nach der Geburt und bei nicht heilenden Geschwüren und Wunden. Er behandelt erfolgreich Ödeme (Wasseransammlungen), die durch Qi- und Yang-Mangel verursacht sind (Milz-Qi-Mangel, Nieren-Yang-Mangel). Astragalus wirkt stark bei Psoriasis sowohl zum Schlucken als auch lokal auf den Hautstellen. Er senkt den Blutdruck und wird auch effektiv bei Diabetes mellitus eingesetzt.
Rhizoma Atractylodis Macrocephalae (chinesisch BAI ZHU, deutsch großköpfiger Speichelkrautwurzelstock, er wird auch der weiße Atractylodes genannt, zur Unterscheidung vom grauen Atractylodes, CANG ZHU, siehe unten) ist süß und stärkt die Milz, leicht bitter und damit leitet er aus, warm, wodurch er trocknet. Atractylodes ist ein Qi-Tonikum, welches sowohl Milz als auch Magen stärkt. Er löst Feuchtigkeit auf und beendet damit Durchfälle aufgrund von Milz-Qi-Mangel. Durch die Stärkung der Milz erhöht er indirekt die Blutbildung. Auch Bai Zhu stärkt, wie Astragalus, das Wei-Qi und beendet spontanes Schwitzen. Er ist das ideale Kraut für Erschöpfung und Abwehrschwäche in der Schwangerschaft (wie auch Astragalus!) durch einen Qi-Mangel.
Radix Ledebouriellae Divaricatae = Radix Saposhnikoviae Divaricatae (chinesisch FANG FENG, deutsch Windschutzwurzel) ist scharf, süß und leicht warm. Wie der Name Windschutzwurzel schon sagt: Fang Feng ist das chinesische Superkraut gegen Wind (egal, welcher Natur)! Und zwar vertreibt er Wind, egal, wo er im Körper ist: a.) an der Oberfläche (wenn ein Eindringling versucht, mit Unterstützung des Windes in den Körper zu gelangen) bei Wind-Kälte und Wind-Hitze. Dabei trocknet Fang Feng nicht aus, sondern befeuchtet. b.) in der Tiefe, wo der Wind zusammen mit Kälte und Feuchtigkeit Blockaden in den Muskeln und Gelenken machen kann. Damit wirkt er krampflösend (‚Muskel-Wind‘) und schmerzstillend (in Gelenken und Muskeln). Fang Feng vertreibt Wind, Kälte, Feuchtigkeit und stillt Schmerzen. Ein kleiner Nachsatz: Alles, wovon man in sich schon zu viel hat, hasst man. So ist es auch mit dem Wind. Wenn man zu viel Wind in sich hat, was man zum Beispiel an einer wackelnden Zunge erkennt, wird man sehr schnell und sehr leicht auf Wind überreagieren: Sei es bei Stress (Sie wissen: auch eine Form von Wind – viel Luft um nichts), dass man sofort überreagiert auf den geringsten Stress von außen, weil man innerlich eh schon genug Stress hat, oder beim physikalischen Wind, der Wind, sodass man gleich die Leberspannung verstärkt, und sei es bei allem, was im Wind herumfliegt, von Pollen über Staub über Tierhaare über Keime. Die beste Therapie für Wind-Menschen (und das sind wir modernen Menschen leider allzu oft) ist es, Wind zu vermeiden und inneren Wind abzubauen. Dies geschieht durch Stressabbau, durch Neubewerten der Belastungen des Alltags, durch Meditation, durch Puzzlelegen, durch Massagen, durch Schwimmen oder was immer. Der Effekt sollte eine tiefe innere Entspannung und Entstressung sein! Und wenn das alles nicht hilft, gibt es Fang Feng!
Eine Zusammenfassung der Wirkung dieser Mischung und der starken Drei: Erschöpfung und spontanes Schwitzen, Gewichtsverlust durch Kräftemangel, Infektneigung, Allergien, nicht heilende Wunden und Geschwüre, Ödeme, Durchfälle durch Milz-Qi-Mangel, Gebärmuttersenkung, Analprolaps, Hämorrhoiden, Begleitung einer Chemotherapie, Psoriasis (Astragalus!), Leukopenie (zu wenig weiße Blutkörperchen), Anämie (zu wenig rote Blutkörperchen), Muskelkrämpfe (Fang Feng), Bauchschmerzen (‚Wind im Darm‘), Zittern (Tremor) der Hände, Füße und des Kiefers und Tetanus (Wind!), Kopfschmerzen und Migräne durch Wind (verschlechtert sich bei Wind und Wetterwechsel).
Und sag ‚Baba‘ zum Wind ...

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