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Was kann der angemessene Umgang mit den Verbrechen von Paris sein? Wie können wir Menschen begegnen, die sich aus Hass und Wut selbst in die Luft sprengen und glauben, so ins Paradies zu kommen? Ich fürchte, es macht wenig Sinn, diesen Fanatikern auf gleicher Augenhöhe den Krieg zu erklären.

Natürlich muss das Ziel sein, den IS, Al Kaida und andere radikalislamischen Bewegungen auszumerzen. Aber wir müssen erkennen, wenn es heute Al Kaida viel weniger gibt, als noch vor ein paar Jahren, ist dafür nicht die Ursache, dass wir diese Bewegung militärisch besiegt hätten.
So verständlich die gegenwärtige Kriegsrhetorik sein mag, so wirkungslos wird sie bleiben. Sie befriedigt unseren Wunsch nach Rache, aber löst wenig. Das Problem wird erst aufhören, wenn sich keine muslimischen Prediger mehr finden, die jungen Männern für ihre Tode das Paradies versprechen. Der Prozess des Irrsinns kann nur von innen her ausbrennen. Bis dahin wird leider noch einige Zeit vergehen.


In diesen unruhigen Zeiten müssen wir, der aufgeklärte Westen, uns bemühen, nicht zu viel der eigenen Errungenschaften zu verlieren. Schaue ich auf die Aussagen der etablierten Politiker, die von neuen Weltkriegen sprechen und den Terroristen damit einerseits eine Bedeutung geben, die sie nicht haben, und andererseits ständig neue, sogenannten ‚Märtyrer’ schaffen, bin ich pessimistisch. Schaue ich auf jene rechten Politiker, die die Gesellschaft polarisieren, um aus dem Wahnsinn ihre eigenen Vorteile zu ziehen und um selbst an die Macht zu kommen, bin ich noch viel pessimistischer.


Wie können wir unsere Gesellschaften frei und offen halten und unsere mühsam erworbenen Grundwerte nicht aufs Spiel setzen?
Sicher nicht, indem wir uns von den religiösen und irrationalen Terroristen und ihrer Wut deren Spielregeln aufzwingen lassen. Begeben wir uns nicht auf ihre Ebene, auf der können wir nur verlieren. Bleiben wir besonnen und selbstbewusst. Wir haben zu viele eigene Konflikte geführt, um nicht zu wissen, dass Kriege Probleme nicht lösen, sondern schaffen.


Peter Riedl
 

Kommentare   

# Musicus 2015-12-09 12:12
Es ist so leicht aus der Ferne zu reden.
Bleiben wir in der Nähe, bei uns selbst.
Die Schizophrenie ist in jedem von uns, nicht jeder lebt sie ganz aus, aber ein wenig, - jeder!
So lange wir uns an den Regeln, Glauben, dem Dafürhalten anderer uns orientieren und „mitmachen", machen wir uns schuldig, sind wir Teilhaber, Urheber des Unrechts, der Gewalt. Wird nicht im Buddhismus gesagt, dass das Husten einer Fliege bei uns einen Sandsturm in den Tropen auslösen kann. Ursache und Wirkung, von uns nicht kontrollierbar.
So skurril es klingt, aber jeder von und setzt die Ursachen für die Gewalt der Welt.
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