Buch

Wer bin ich eigentlich? Im hektischen Alltag innezuhalten und diese existenzielle Frage zu stellen, kann sich heute kaum noch jemand leisten. Lediglich in Zeiten der Muße und Selbstreflexion besteht die Möglichkeit, sich mit der eigenen Identität konstruktiv auseinanderzusetzen.

Allzu oft findet man aber keine Antworten auf diese Frage, stürzt im schlimmsten Fall in eine Seinskrise. Zweifelsohne vermag uns gute Lektüre dabei behilflich sein, der eigenen Identität auf die Spur zu kommen. Diese kann, muss aber nicht spirituell gefärbt sein.

Der Soziologie-Professor Dr. Dr. Heinz Abels beispielsweise hat ein Lehrbuch vorgelegt, das einen groben Überblick ermöglicht über die zentralen Definitionen, die historische Entwicklung und die Veränderungen von Identität in der Moderne. Primär aus soziologischer Perspektive verfasst, enthält das Buch auch Zitate von Dichtern, Philosophen und anderen Beobachtern unserer Zeit. Abels schreibt kompetent über die ‚Entstehung des Gedankens, dass der Mensch ein Individuum ist, den nicht leicht zu verwirklichenden Anspruch auf Individualität und die Tatsache, dass Identität in Zeiten der Individualisierung von der Hand in den Mund lebt'. So viele Definitionen es auch geben mag, zweifellos ist Identität etwas, das wir in Auseinandersetzung mit der (sozialen) Umwelt sowie durch Selbstreflexion gestalten können. Das erfordert Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und den Mut, sich den Gefahren der Konfusion, Isolation und Verzweiflung zu stellen.

 

Sachbuch
VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010
510 Seiten
 

Rezensent: Christian Rieder