Buch

Immer wieder hat der Dalai Lama im Hinblick auf seine Herkunft betont: „Ich schätze mich glücklich, Sohn einfacher Bauern zu sein." Gerade dadurch sei es ihm möglich, in den Herzen des Volkes wie in einem offenen Buch zu lesen.

Neben einem spannenden Einblick in die Kindheit Seiner Heiligkeit des 14. Dalai Lama erfahren wir vor allem, wie sich sein heutiges Leben gestaltet. Darin würden drei Aufgaben im Mittelpunktstehen: die Aufgabe als Mensch, als Mönch und schließlich als Dalai Lama. Als Mensch sei die Herzensbildung die zentrale Herausforderung, die nur durch permanentes Üben von Mitgefühl gemeistert werden könne. Die wahren Feinde, die es zu besiegen gelte, seien Hass und Zorn. Menschen, die Probleme bereiten, müsse man dankbar sein, denn nur durch sie vermögen wir uns in Gelassenheit zu üben.
In seinem Leben als Mönch bemühe er sich in erster Linie darum, den Menschen nahezubringen, dass man zwar ohne Religion leben könne, jedoch nicht ohne Spiritualität. In einem Aufruf zur spirituellen Revolution sprach sich der Dalai Lama klar gegen Ideologien aus und plädierte für eine Intensivierung des Dialoges mit den Wissenschaften. „Der Buddha war ein Grüner", meinte er weiters und betonte dabei die ökologische Verantwortung des Menschen für den Planeten.
In seiner Funktion als Dalai Lama gehe es ihm um die Sache Tibets: Wahrheit, Mut und Entschlossenheit seien die ‚Waffen', mit denen er sich unermüdlich für sein Volk einsetze. „Was diese dritte Aufgabe in meinem Leben betrifft, wird sie enden, sobald eine für Tibeter und Chinesen zufriedenstellende Lösung gefunden sein wird. Was meine beiden anderen Aufgaben betrifft, so werde ich ihnen bis zu meinem letzten Atemzug nachkommen."
Sofia Stril-Rever, Indologin und Dolmetscherin des Dalai Lama, ist hier als Herausgeberin von Selbstzeugnissen Seiner Heiligkeit samt Anmerkungen und kursiv gesetzten Kommentaren eine aufschlussreiche und zugleich erbauliche Lektüre geglückt.


Autobiographie
Diogenes: Zürich 2009
315 Seiten
 

Rezensent: Christian Rieder